Tabea Rößner

1. Oberbürgermeisterin für Mainz

Liebe Freundinnen und Freunde, 
liebe Unterstützerinnen und Unterstützer, liebe Mitlesende,

nach der OB-Wahl in Mainz blicke ich mit gemischten Gefühlen auf das Wahlergebnis. Fakt ist: Ich habe das Ziel, in die Stichwahl zu kommen, nicht erreicht. Für all jene, die fest daran geglaubt haben, die große Hoffnung in mich gesetzt und sich einen anderen Politikstil gewünscht haben, tut es mir wirklich leid. Ich wäre gerne Oberbürgermeisterin dieser schönen Stadt geworden. Alle, die mich kennen, wissen, dass ich mit Leidenschaft, höchstmöglichem Engagement und reichem Erfahrungsschatz diese Aufgabe angenommen hätte.

Mir war von Anfang an klar, dass es schwer sein würde, gegen den Amtsinhaber anzutreten. Es war auch nicht einfach, aus einer Position heraus Wahlkampf zu machen, die ja nicht alles anders machen wollte, aber vieles besser. Und vielleicht ist es in Zeiten wie diesen auch ein Wagnis, mit einem Programm anzutreten, das den Fokus auf Umsetzungschancen legt und nicht allen alles verspricht. Es bedarf auch mehr als Slogans oder Aktionen um zu erklären, dass mehr Grün in der Stadt nicht allein mit 50 Bäumen vor dem Staatstheater erreicht werden kann. Dazu braucht es mehr Worte, und das ist nicht so medientauglich. Das gleiche gilt für die Diskussion über einen neuen Stadtteil in einem Kaltluftenstehungs- oder Naturschutzgebiet. Oder dass Bauen allein die Mietpreise nicht senkt.

Was mir wichtig war und immer noch ist: Wir brauchen mehr Grün in der Stadt, das 365-Euro-Jahresticket, Ausbau des Radverkehrs, Umdenken beim Wohnungsbau, damit wirklich günstiger Wohnraum entsteht, einen neuen Stil in der Verwaltung, damit wir mehr umgesetzt bekommen. All das haben wir früh thematisiert – auch auf Plakaten, als andere nur Köpfe plakatierten.

Als Erfolg werte ich, dass aufgrund des aktuellen Trends und meiner Kandidatur die anderen Kandidaten ein klares Bekenntnis zum Klimaschutz, zu besserem ÖPNV und mehr Radverkehr, zu günstigem Wohnraum und einer nachhaltigen Entwicklung abgegeben haben. Daran werden wir sie messen, dahinter darf Mainz nicht mehr zurückfallen. Wir Grüne werden nicht zulassen, dass in acht Jahren wieder über schlechte Radwege und schlechten ÖPNV diskutiert wird, und beides aufgrund der Zuständigkeit in der Stadtregierung den Grünen angelastet wird, obwohl wir es waren, die überhaupt erst die Mobilitätswende eingeleitet und einiges erreicht haben. Aus diesem Fehler lerne ich. Wir werden die Verkehrswende noch kraftvoller umsetzen und in Zukunft mögliche Blockierer klar und deutlich benennen.

Ich bin angetreten, so wie ich bin. Nicht mit Phrasen, sondern mit leiseren Tönen. Nach Jahrzehnten des bürgerschaftlichen und politischen Engagements weiß ich, dass Politik nur zu einem geringen Anteil Rampenlicht, stattdessen viel Neonlicht bedeutet. Erfahrung, Fleiß, Zupacken, Verständnis für Problemstellungen, Beharrlichkeit und Kreativität für neue Lösungsansätze, aber vor allem Empathie für die Menschen und Begegnung auf Augenhöhe, all das hätte ich gerne eingebracht.

Zu den Angriffen gegen meine Person möchte ich nur wenige Worte verlieren. Hass und Hetze im Netz gefährden den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Auch das habe ich in diesem Wahlkampf deutlich gespürt und werde dem weiter entgegentreten.

Ich gratuliere Michael Ebling zum stärksten Ergebnis und Nino Haase zum Erreichen der Stichwahl. Vor allem aber möchte ich allen danken, die für mich und unsere Sache gekämpft haben. Ich weiß, wie hart es war, nach der Strapaze einer Kommunalwahl auch noch eine OB-Wahl zu stemmen. Umso dankbarer bin für die große Unterstützung. Ganz besonders danke ich auch meiner Familie, die mir viel Rückhalt gegeben hat.

Ich werde mich nun wieder mit Kraft und Engagement meiner Arbeit im Bundestag zuwenden. Die Herausforderungen sind zu groß, um sich nicht für die notwendigen Veränderungen einzusetzen.

Ich hätte gerne mit Euch Geschichte geschrieben und wäre als erste grüne Oberbürgermeisterin ins Rathaus eingezogen. Mal sehen: Vielleicht schreibt eine andere Grüne in acht Jahren diese Geschichte zu Ende. Vielleicht sogar schon früher, wir werden sehen.

Mainz braucht grüne Ideen. Ich bin sicher, dass wir Grüne in dieser wunderbaren Stadt noch viel bewirken werden. Für Klimaschutz. Für Zusammenhalt.

Also noch einmal ein großes Dankeschön an Euch alle!

Eure Tabea 

Über mich

Vor 27 Jahren kam ich für mein Aufbaustudium nach Mainz und verliebte mich auf Anhieb in diese weltoffene gemütliche Stadt am Rhein. Damals arbeitete ich nach meinem abgeschlossenen Studium der Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Von dort pendelte ich nach Mainz zu meinen Seminaren der Journalistik und des Öffentlichen Rechts an die Alte Universität mitten in der Innenstadt wie auch auf den Campus.

Als ich das Angebot bekam, beim ZDF zu arbeiten, zog ich mit meinem damaligen Mann und meiner neugeborenen Tochter Anfang 1996 nach Mainz, wo wir das Urgroßelternhaus meines Mannes beziehen konnten. Dort wohnte unter dem Dach eine rüstige alte Dame, ehemalige Opernsängerin, die sich sorgte, dass sie mit unserem Einzug nach 40 Jahren ausziehen müsste. Aber wir wollten die alte Dame nicht vertreiben, sondern fanden es schön, noch jemandem im Haus zu haben. Und es stellte sich für uns alle als großer Glücksfall dar. Denn wir verstanden uns gut, sie liebte Kinder, hatte aber nie eigene, und meine Kinder hatten eine Vize-Oma im Haus.

Bis zu meiner Wahl in den Deutschen Bundestag arbeitete ich fast zwanzig Jahre als freiberufliche Autorin und Redakteurin bei verschiedenen Medien (zuletzt bei der Kindernachrichtensendung logo! im ZDF). So konnte ich in den unterschiedlichsten Bereichen und Arbeitszusammenhängen sowie in verschiedenen Positionen auch mit Leitungsfunktion Berufserfahrung sammeln.

Bereits seit meiner frühesten Jugend habe ich mich ehrenamtlich engagiert, zunächst in der Friedensbewegung, gegen Atomkraft, für einen gerechten Welthandel und gegen die Apartheid in Südafrika. Ich war in Amnesty International-Gruppen aktiv und habe im Weltladen verkauft. Zu Beginn meiner Studienzeit in Frankfurt am Main bekam ich durch Zufall Kontakt mit den Grünen – ich lernte gleich am ersten Tag eine Kommilitonin kennen, die wegen ihres Freundes, dem damaligen hessischen Umweltminister Joschka Fischer, frisch nach Frankfurt gekommen war – und gründete mit anderen eine Unigruppe wie auch einen Jugendstammtisch, aus dem später die Grüne Jugend hervorging.

Zu Beginn meiner beruflichen Tätigkeit hatte ich mein politisches Engagement eingestellt. Als ich aber nach meinem Umzug nach Mainz händeringend einen Kinderbetreuungsplatz für meine Tochter suchte, musste ich sehr schnell feststellen, dass es ganz offensichtlich zu wenig Politiker oder Politikerinnen gab, die meine Interessen als berufstätige – und später alleinerziehende – Mutter vertraten. Deshalb stieg ich in Mainz wieder in das zivilgesellschaftliche und politische Ehrenamt ein, war Kreisvorsitzende der Mainzer Grünen, Mitglied im Ortsbeirat Oberstadt, wurde 2001 zur Landesvorsitzenden gewählt und gehörte von 2004 bis 2012 dem Mainzer Stadtrat an.

2006 entschied ich mich, für den rheinland-pfälzischen Landtag zu kandidieren. Mein Beruf hatte mir zwar immer sehr viel Freude bereitet, aber der Spagat zwischen Beruf, Familie und ehrenamtlichem politischen Engagement war sehr groß. Daher wollte ich mich auf die politische Arbeit und meine Kinder konzentrieren. Doch die Grünen flogen aus dem Landtag raus, und meine Redaktion hatte für mich – ich war ja freiberuflich tätig – bereits eine Nachfolgerin verpflichtet. So stand ich mit zwei Kindern, alleinerziehend und ohne Job da. Ich wollte aus der Politik aussteigen. Als aber in Mainz der Bau eines Kohlekraftwerks geplant wurde, konnte ich nicht anders und kämpfte gegen diesen Irrsinn – erfolgreich. 2009, nach der Kommunalwahl, konnten wir den Baustopp durchsetzen. Seitdem sitze ich im Aufsichtsrat des Unternehmens. 

Neben meinem Engagement für die Grünen war ich im Stadtelternbeirat Mainz und anderen Elternvertretungen aktiv sowie Vorsitzende des Kinderhauses Agrippastraße. Zwei Jahre lang gehörte ich dem Landesvorstand des Verbands alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) an. Bereits seit Anfang der 2000er Jahre bis heute bin ich gegen Fluglärm und war gegen den weiteren Ausbau des Flughafens aktiv. Zwischen 2005 und 2010 war die Arbeit in den Bürgerinitiativen gegen das Kohlekraftwerk auf der Ingelheimer Aue Schwerpunkt meines Engagements. Zudem gründete ich 2009 mit anderen den Verein „Rheinhessen gegen Rechts„ und bin seitdem stellvertretende Vorsitzende.
2009 wurde ich in den Deutschen Bundestag gewählt und von meiner Fraktion zur Sprecherin für Medien- und Demografiepolitik benannt. Zusätzlich war ich Mitglied der Enquetekommission „Internet und digitale Gesellschaft“.

Und gleich zu Beginn meiner Bundestagstätigkeit lag ein Fall im Zusammenhang mit meinem ehemaligen Arbeitgeber, dem ZDF, auf meinem Schreibtisch: Die Causa Brender. Der Vertrag des damaligen Chefredakteurs Nikolaus Brender sollte verlängert werden, und der frühere Ministerpräsident aus Hessen, Roland Koch, verhinderte dies. Eine politische Einflussnahme, die meiner Auffassung nach verfassungswidrig war. Also strebte ich ein Normenkontrollverfahren an, das nach mehreren Jahren und einigen Umwegen schließlich den Weg zum Bundesverfassungsgericht fand, das meine Auffassung bestätigte. Auf Grundlage dieses Urteils mussten fast alle Rundfunkgesetze und -staatsverträge im Sinne einer größeren Staatsferne geändert werden – mein zweiter großer politischer Erfolg. Im Zuge dieses Verfahrens lernte ich auch meinen jetzigen Mann, den Kölner Universitätsprofessor Karl-E. Hain, kennen, der mit seinen Kindern im Westerwald lebt und mit dem ich eine glückliche Ehe führe.

Zur Bundestagswahl 2013 wurde ich mit über 94 Prozent zur Spitzenkandidatin der GRÜNEN Rheinland-Pfalz gewählt. Schwerpunkt in dieser zweiten Legislatur war für mich die Digitalisierung, vor allem der Ausbau der Infrastruktur, die Kreativwirtschaft und Verkehrspolitik. Für die laufende Legislatur hat mir meine Fraktion mit Netzpolitik und Verbraucherschutz zwei große Querschnittsthemen anvertraut. Ich leite die AG Digitalpolitik der Bundestagsfraktion, sitze im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz, im Ausschuss Digitale Agenda, im Kultur- und Medienausschuss sowie in der Enquete-Kommission Künstliche Intelligenz.

Obwohl ich als Bundestagsabgeordnete viele Verpflichtungen in Berlin habe, ist Mainz immer mein Lebensmittelpunkt geblieben. Ich fahre nur zu den Sitzungswochen nach Berlin und bin immer froh, wenn ich freitags wieder nach Hause kommen kann.

Nachdem meine Töchter ausgezogen sind um zu studieren und auch meine langjährige Mitbewohnerin mit 98 Jahren in unserem Beisein zuhause gestorben war, habe ich mein Haus saniert und bin selbst ins Dachgeschoss gezogen. Nun lebt in den unteren Stockwerken wieder eine junge Familie mit vier Kindern, und ich freue mich, dass Haus und Garten wieder belebt sind.

Nun bin ich gespannt, ob mir die Mainzerinnen und Mainzer die Chance geben, die erste Oberbürgermeisterin dieser wundervollen Stadt zu werden. Ich könnte mir nichts Schöneres und Ehrenvolleres vorstellen.

Hier können Sie meinen vollständigen Lebenslauf herunterladen.

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