Strategien gegen Desinformation – Fachgespräch der Bundestagsfraktion
Desinformation – ein Thema, das momentan viele beschäftigt. Denn wir sehen, dass mit gezielten Falschinformationen und manipulierten Inhalten versucht wird, den Diskurs zu beeinflussen. Jedoch: Die Frage, wie wir unseren demokratischen Diskurs vor Manipulationsversuchen schützen können, ist nicht einfach zu beantworten. Das wurde auch in dem Fachgespräch, das ich mit Tobias Bacherle zum Thema organisiert habe, deutlich.
In ihren Inputs beleuchteten Prof. Dr. Jeanette Hofmann und Felix Kartte den Forschungsstand zur Wirkung von Desinformation. Auch wenn gerade autokratische Staaten wie Russland oder China oder Rechte Kreis um Donald Trump mit gezielten Kampagnen versuchten, Demokratien zu destabilisieren, habe nicht jede Desinformation direkten Einfluss auf das Wahlverhalten. Häufig brächten zudem Menschen mit der Verbreitung ihre Unzufriedenheit mit gesellschaftlichen Eliten zum Ausdruck. Eine Gefahr liege vor allem in der Verstärkung bestehender Vorurteile und extremistischer Ansichten. Das zeige uns, wie wichtig es ist, Vertrauen in unsere demokratischen Institutionen zu stärken.
Und Journalismus, der Desinformation Fakten und Hintergründe entgegensetzen könnte, stehe weiterhin unter (wirtschaftlichem) Druck. Junge Menschen informieren sich laut jüngster Studien vorwiegend über soziale Medien, und Vertrauen in die klassischen Medien sinke weiter. Autoritäre Kräfte nutzten dieses Vakuum und bauten alternative Medien auf, die ihre Narrative verbreiteten.
Was können wir tun?
- Transparenz schaffen: Die EU-Kommission hat Verfahren gegen TikTok oder X eingeleitet, um u.a. die Empfehlungsalgorithmen zu untersuchen. Ein wichtiger Schritt, wir brauchen eine konsequente Durchsetzung der Regulierung
- Forschung stärken: Wir brauchen wissenschaftliche Erkenntnisse, um die Wirkung von Desinformation besser zu verstehen
- Mehr Medienkompetenz erwerben: Die gesamte Bevölkerung muss Angebote der digitalen Bildung nutzen können – in Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen, in Aus- und Weiterbildung, Erwachsenenbildung etc.
- Gute Bedingungen für unabhängigen Journalismus schaffen: Guter, investigativer Journalismus kostet, aber es gibt noch keine zukunftsfähigen, gutfunktionierenden Modelle im Digitalen.
Mein Fazit: Es gibt keine einfachen Strategien gegen Desinformation. Schließlich ist der Grat zwischen Desinformation und freier Meinungsäußerung ein äußerst schmaler. Es braucht verschiedene Maßnahmen, um die Resilienz unserer Gesellschaft zu stärken und digitale Räume vor Manipulation zu schützen.
Das digitale Fachgespräch zum Thema „Wie wir faire demokratische digitale Debattenräume schützen“ von Tobias Bacherle und Tabea Rößner fand am 19.12.2024 via Zoom statt.
Das liest sich ziemlich persönlich und dadurch angenehm ehrlich. Gerade die kleinen Details machen den Beitrag greifbar.