Mainz nicht in den Schwitzkasten nehmen

Die Mainzer OB-Kandidatin Tabea Rößner warnt davor, Mainz in den Schwitzkasten zu nehmen:

„Die zahlreichen Ideen und Planungen für Neubauprojekte beispielsweise am Europakreisel sowie Überlegungen für neue Stadtteile in Wiesbaden und Mainz-Hechtsheim müssen hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf das Stadtklima zusammen betrachtet werden. Denn wenn die Frischluftschneisen immer weiter zugebaut werden, bleibt der Stadt irgendwann die Luft weg“, erklärt Rößner. Neuer Wohnraum müsse behutsam entwickelt werden. „Mainz darf nicht den alten Fehler begehen, Ökologie gegen Ökonomie und Soziales auszuspielen. Alles drei gehört zusammen.“

Priorität beim Wohnen muss nach Rößners Ansicht die Konversion von bereits erschlossenen Flächen haben wie das Kasernengelände der GFZ-Kaserne oder von geeigneten Gewerbegebieten wie in Gonsenheim, statt immer mehr Flächen zu versiegeln. Auch das Aufstocken von Gebäuden sollte stärker vorangebracht werden. „Neubauprojekte verursachen mehr Verkehr, damit kommen mehr Feinstaub, CO2 und Stickoxide in die Stadt. Die Frischluftschneisen und Grünflächen sind Lunge und Atemwege von Mainz, die nicht weiter zerstört werden dürfen. Insofern ist es irritierend, wenn OB Ebling einerseits Fahrverbote in der Innenstadt verhindern will, nun aber mit seinen städtebaulichen Ideen womöglich dafür sorgt, dass sie doch kommen“, so Rößner.

Kopfschütteln verursacht bei Rößner der Streit zwischen CDU und SPD. „Es ist doch völlig egal, wer ursprünglich die Idee für einen neuen Stadtteil hatte: Die CDU, Herr Ebling oder sonst wer. Wichtig ist doch, wie die Interessen der gesamten Stadt berücksichtigt werden.“

„Die aktuell neu angebotenen Eigentumswohnungen wie im Zollhafen oder im Heiligkreuz-Viertel helfen ja gerade den Menschen nicht, die sich Mainz ohnehin kaum noch leisten können. Gerade das Heiligkreuz-Viertel war ja für Leute mit schmalem Geldbeutel gedacht. Damit ist der OB ganz offensichtlich gescheitert.“ Schon dieses Beispiel zeige, dass Bauen allein soziale Fragen nicht löse. „Es kommt schon darauf an, wie man es macht. Flächen an den meistbietenden Investor zu verscherbeln, ist sicher nicht der richtige Weg zu mehr bezahlbarem Wohnraum.“ Positiv sei aber, dass die Idee der Grünen, bei Neubauten auf klimaneutrale Wohnhäuser und Quartiere zu setzen, auch bei den anderen Parteien inzwischen angekommen sei. „Klimaschutz bedeutet: Global denken, lokal handeln“, sagte Rößner.

Die Mainzer Bundestagsabgeordnete wirbt erneut für ihren Plan, den Anteil sozial geförderten Wohnraums bei Neubauten auf 30 Prozent zu erhöhen. Sie warnt zudem davor, nur „in Beton zu denken“. „In Ballungsräumen wird die Nachfrage nach Wohnraum das Angebot immer übersteigen. Entsprechend hoch bleibt der Druck auf dem Mietmarkt. Ständig steigende Mieten sind die Folge. Wir müssen gemeinschaftliches Wohnen stärker fördern und darum werben, dass nicht genutzter Wohnraum zur Verfügung gestellt wird.“ Noch mehr als ein neuer Stadtteil würde den Mietern in Mainz aber vor allem eine wirksame Mietpreisbremse helfen. „Die Große Koalition in Berlin muss hier endlich weiterkommen“, fordert Rößner.

Als Oberbürgermeisterin werde sie sich für die weitere Stadtentwicklung einsetzen. „Das bedeutet auch, dass wir uns im Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern über neue Baugebiete verständigen müssen. Aber wir müssen ganzheitlich planen. Für wen bauen wir? Welche Infrastruktur müssen wir dafür schaffen? Wie binden wir den öffentlichen Nahverkehr an? Wie schaffen wir es, dass Klima in Mainz zu verbessern und die Stadt nicht in den Schwitzkasten zu nehmen? Diesen Dialog werde ich während des OB-Wahlkampfs führen – und natürlich auch darüber hinaus.“